Lange hat es gedauert, aber nun verkünden wir voller Stolz den Sieger der Wahl zum Panini-Comic des Jahres:
WATCHMEN – ABSOLUTE EDITION (DC)

Lange hat es gedauert, aber nun verkünden wir voller Stolz den Sieger der Wahl zum Panini-Comic des Jahres:
WATCHMEN – ABSOLUTE EDITION (DC)

| Schnelle Meinung: |
| #035 – Der Mythos Sandman | |
| #034 – Über die Kunst, in einer Schlange zu stehen | auf der CCC |
| Sonderkolumne zum 14. Comic Salon in Erlangen | |
| #033 – Neue Helden | |
| CCC-Sonderausgabe: Der Comic-Salon Erlangen 2010 | |
| CCC-Sonderausgabe: Der Gratis Comic Tag im Rückblick | |
| #032 – Western – Wiederauferstehung eines Genres | |
| #031 – Graphic Novel Sonderaktionen | |
| #030 – Joseph Michael Straczynski bei Spider-Man | |
| CCC-Sonderausgabe: Free Comic Book Day in Deutschland – geht das? Oder auch Die Krämerseele eines Versandhändlers | |
| #029 - Zuckerfisch | |
| #028 - Der obligatorische Jahresrückblick 2009 und Ausschau auf 2010 | |
| #027 - Rechtzeitig zum Weihnachtsfest: Der Comic Canon | |
| #026 - Der Graphic Novel Aufkleber – wirklich ein Ärgernis oder viel Lärm um nichts? | |
| #025 - Entertainment durch DC Entertainment | |
| CCC-Sonderausgabe - Der Tag, an dem Dagobert die Portokasse öffnete … | |
| #024 - Da, wo der Zaubertrank zum Stöffsche wird | |
| CCC-Sonderausgabe - Mecki füllt das Sommerloch | |
| #023 - Das Programm des Splitter Verlages in der Zeit von Oktober 2009 bis April 2010 | |
| #022 - Der Mythos Watchmen | |
| #021 - Preiserhöhungen auf dem US-Markt – das falsche Zeichen in schwierigen Zeiten | |
| #020 - Das Programm des Splitter Verlages in der Zeit von Mai bis Oktober 2009 | |
| Sonderkolumne zum 1. April | |
| #019 - World War Hulk – Sinnloses Gekloppe oder doch Crossover mit Inhalten? | |
| #018 - One more Day – Nur noch ein Tag | |
| Rosenmontagsüberraschungs-kolumne | |
| #017 - Der Finix Comic Club | |
| #016 - Der obligatorische Jahresrückblick 2008 und Ausschau auf 2009 | |
| #015 - Offener Brief an Joe Quesada | |
| #014 - Vergleich der Klon Sagen im 616 und ultimativen Universum | |
| #013 - Von der Neunten Kunst zur Siebten Kunst | |
| #012 - Preisbindung des Buchhandels – „notwendiges Übel“ oder überflüssiges Auslaufmodell | |
| #011 - Der Splitter-Verlag und sein neues Programm | |
| #010 - Gwen Stacy im 616 und im ultimativen Universum | |
| #009 - Heinberg und Dodson bei Wonder Woman oder auch Wer ist Wonder Woman? | |
| #008 - Der CIVIL WAR und seine Folgen | |
| #007 - Neue Horizonte | |
| #006 - Marvel und Dabel Brothers oder auch die verpasste Chance | |
| #005 - Merchandise oder "Merchanscheiß" | |
| #004 - Der obligatorische Jahresrückblick 2007 und Ausschau auf 2008 | |
| #003 - Warum ich SPIDER-GIRL so gerne lese | |
| #002 - Freitagnachmittag im T3 | |
| #001 - Nachruf auf Mike Wieringo |
| Schnelle Meinung: |
von Uwe Bender-Muth
Zwischen April 2001 und Dezember 2007 war Joseph Michael Straczynski Autor der Serie Amazing Spider-Man. JMS, wie er gerne von seinen Fans genannt wird, wurde am 17. Juli 1954 geboren und wurde als Drehbuchautor der Fernsehserie Babylon 5 bekannt.
Als JMS Amazing Spider-Man übernahm, lag diese Flagschiff-Serie Marvels am Boden. Die Leserzahlen waren katastrophal, so dass Marvel die Notbremse zog und die seinerzeit verantwortlichen Autoren Byrne und Mackie auch in der Reihenfolge feuerte.
Natürlich wird Spider-Man immer ein Charakter sein, der nicht nur gegen seine Feinde, sondern auch gegen seine Schuldgefühle und um sein Selbstvertrauen kämpft. Hinzu kam, dass Peter Parker um seine Ehe und Beziehung mit Mary Jane bangen musste. Das war einfach zu viel Ballast, so dass spannende Stories Mangelware waren. Hinzu kam, dass den damaligen Spider-Man Stories auch jede Leichtigkeit abging. Während in den 80er Jahren wirklich gute Stories geschrieben wurden und die Stories der 90er Jahre weitgehend vom Schurken Portfolio wie Venom und Carnage lebten, hatten die Stories des Mackie/Byrne Runs hiervon nichts zu bieten. Das war auch für viele Leser nicht akzeptierbar, so dass sie Spider-Man den Rücken kehrten. „Höhepunkt“ war die von Ralph Macchio verordnete Wiederauferstehung von Tante May, die weder dramaturgisch noch inhaltlich nachvollziehbar war und das wunderschöne Amazing Spider-Man # 400 ad absurdum führte.
Die Vorzeichen für JMS waren also alles Andere als gut, andererseits konnte es damals eigentlich nur noch aufwärts gehen. Bezeichnenderweise taufte JMS seinen ersten Run „Coming Home“. Diese Story wurde völlig zu Recht mit einem Eisner Award ausgezeichnet. Kurz vor ihrem Abschluss wurde sie von dem One Shot „Stand Tall“, der sog. Black Issue unterbrochen, die sich mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auseinandersetze. Vielen mag diese Story überzogen erscheinen, aber ich lese sie nach wie vor jedes Jahr am 11. September.
Zum Abschluss von Coming Home packte JMS aber erst seine Keule aus. Tante May entdeckte die Geheimidentität und so wurde aus der überflüssigen und eigentlich doch toten Schrulle dank dieses Kniffs, der ein wahrer Geniestreich war, wieder ein interessanter Charakter. Wer hätte das damals für möglich gehalten? Ich, jedenfalls definitiv nicht. Und ich hätte schon gar nicht damit gerechnet, dass JMS mit Morlun und Ezekiel zwar neue Charaktere einführen wollte, aber seine vorrangige Intention war es tatsächlich, Peters Geheimidentität ausgerechnet gegenüber Tante May aufzudecken. Dies galt doch neben einer Rückkehr von Onkel Ben und von Gwen Stacy als das große Tabu. Tante May galt gesundheitlich als zu angeschlagen, um dies zu verkraften. JMS hat genau einen Panel benötigt, um hiermit aufzuräumen. Und dieser Dialog ist so perfekt geschrieben, dass ich mich gerne daran erinnere, dass ich beim Lesen dieses Panels erst nach Luft schnappen und dann laut lachen musste. Nur wenig später gelang es JMS mit der Gänsehaut-Story „Until the Stars turn cold“ die Ehe von Peter und Mary Jane Parker zu retten und so auch Mary Jane wieder als Partnerin neben Peter Parker zu etablieren. Vergessen war die ewig gestresste und psychisch wie physisch schwer angeschlagene Mary Jane, wie sie von Byrne und Mackie definiert wurde und von der viele Leser einfach nur noch genervt waren.
Natürlich darf man auch in der Rückschau nicht der Verklärtheit unterliegen. Und es dürfte klar sein, dass in solch einer langen Zeit auch Negatives zu verzeichnen ist. Zu seinen Flops zählt zweifellos „Sins Past“. Posthum wird in dieser Story aus dem All American Girl Gwen Stacy die größte Schlampe des 616 Universums. Den Gegenwind hat JMS deutlich gespürt und ist zumindest so weit inhaltlich von seiner eigenen Story abgerückt, dass die Kinder von Gwen Stacy und Norman Osborn keine Berücksichtigung mehr gefunden haben.
Umstritten war freilich auch der Ansatz, in Spider-Mans Origin einzugreifen. JMS fügte noch einen mystischen Ansatz, der mich ein wenig an Neil Gaiman erinnerte, hinzu, der im Kontrast zu Stan Lee und Steve Ditko stand, die ja bekannterweise „Shit happens“- Philosophie für Amazing Spider-Man eingeführt hatten. Doch auch hier agierte JMS sehr clever. Durch einen der Charaktere ließ er seine Leser wissen, dass jeder Leser für sich entscheiden kann, ob er dem einen oder dem anderen Ansatz folgt oder gar beide Ansätze gleichberechtigt nebeneinander stehen lässt. Im Übrigen ist die Kommunikation über die Charaktere mit den Lesern ein für JMS typisches Stilmittel. Ein weiteres ebenso typisches Stilmittel ist es, dass man als Leser erst am Ende einer Story erkennt, was JMS wirklich erzählen wollte. Dies geschah wohl auch in schöner Regelmäßigkeit in der von ihm entwickelten TV-Serie Babylon 5.
Hervorzuheben sind mit Sicherheit auch die Tie Ins des Civil Wars. Erstmals seit Onkel Ben hat mit Tony Stark wieder jemand eine Vaterrolle in Peter Parkers Leben eingenommen. Nur eben über diese Vaterrolle ist es zu erklären, dass er als Spider-Man seine Geheimidentität vor aller Welt gelüftet hat. Darüber hinaus konnte Tony Stark Peters Vertrauen auch dadurch gewinnen, dass er ihn ermutigte, sein Talent als Wissenschaftler auszuschöpfen. JMS war nicht wirklich davon begeistert, dass Peter Parker seine Geheimidentität preisgab, aber er konzipierte und erzählte die Story dennoch intelligent und emotional. Und gerade diese Emotionen waren wichtig, um dann Peters komplett veränderte Einstellung zum Registrierungsgesetz, das ja Auslöser des Civil Wars war, für den Leser glaubhaft und nachvollziehbar schildern zu können. Peter sah sich in seinem Vertrauen zu Tony Stark maßlos enttäuscht, was dann sowohl im Tod von Captain America, als auch im Attentat auf Tante May gipfelte. Und dieses Attentat läutete über das lesenswerte „Back in Black“ „One More Day“ ein, die wohl in jeder Hinsicht umstrittenste Story, die JMS geschrieben hat.
In dieser abschließenden Story wird Peters und Mary Janes Heirat aus der Kontinuität entfernt, d.h. sie hat nie stattgefunden. Dies ist Mephisto zu verdanken, der im Gegenzug Tante May wieder leben bzw. aus dem Koma erwachen lässt. Etwas überrascht hat mich schon, dass Mephisto etwa keine Seele, wie wir das ja eigentlich aus Goethes Faust kennen, sondern Peters und Mary Janes Heirat verlangt. Man muss aber genau an dieser Stelle den Hut vor JMS ziehen, der dies wunderbar zu erklären versteht.
Dennoch hat JMS immer wieder betont, dass es sich sowohl bei der Preisgabe der Geheimidentität wie auch One More Day um eine rein editoriale Entscheidung handelte, aus der JMS das Beste zu machen suchte. JMS hat allerdings auch eingeräumt, dass solche editorialen Entscheidungen durchaus das Recht Marvels als Eigentümer und somit Rechteinhaber des Charakters Spider-Man sind. Dies bedeutet allerdings zwangsläufig nicht, dass er mit diesen Entscheidungen einverstanden sein muss.
JMS verfolgte jedenfalls einen komplett anderen Ansatz mit seiner Version des One More Days, denn er wollte mit seiner Story alle Entwicklungen im Marvel-Universum seit 1971, also seit Amazing Spider-Man # 96-98 rückgängig machen. Die Herausgeber um Joe Quesada fürchteten jedoch, dass dieser radikale Ansatz das 616 Universum in eine „Krise“ stürzen würde, wie man es vom Konkurrenten DC kennt. JMS war wohl so enttäuscht von den editorialen Vorgaben des Verlags, dass er seinen Namen von den letzten beiden Teilen des One More Days zurückziehen wollte. Ich denke, jeder kann sich vorstellen, dass es zu dieser Zeit hinter den Kulissen gewaltig gekracht haben muss. Dies wurde dadurch unterlegt, dass JMS und Joe Quesada seinerzeit wohl in Interviews übereinander und nicht wirklich miteinander gesprochen haben. Und gerade Joe Quesada, der als geistiger Vater von One More Day und gleichzeitig als anerkannter Gegner der Hochzeit von Peter und Mary Jane galt, zeigte sich verschnupft bzw. gar beleidigt über die öffentlich geäußerte Kritik JMS an One More Day.
Quesada selbst sah sich erstmals in seiner „Regentschaft“ als Chefredakteur in die Defensive gedrängt und hat immer wieder erklärt, dass er JMS alle Möglichkeiten eingeräumt hat, die Serie auf die Art und Weise und zu dem Zeitpunkt zu verlassen, wie er sich das selbst wünscht. Ich denke, dass dies aus heutiger Sicht nur bedingt glaubhaft rüberkam. Alle kritischen Fragen JMS zu One More Day wurden von Quesada lakonisch und kaum nachvollziehbar beantwortet. Diese Antworten mündeten schließlich nach der Frage, wie man sich die widersprüchliche Rückkehr Harrys erklären wollte, in der berühmten und sinnbefreiten Aussage „It’s magic, we don’t have to explain it.“
JMS war nicht damit einverstanden, dass Mary Jane die Entscheidung traf, sich auf den Deal mit Mephisto einzulassen. Außerdem wollte JMS tatsächlich auch Gwen Stacys Zwillinge nachträglich in die Kontinuität einpassen, aber auch dies ließ man seitens der verantwortlichen Redakteure nicht zu, was ich aber als Gegner dieser Story nachdrücklich befürworte. Und bei allem Respekt vor JMS, an dieser Stelle erweist er sich als beratungsresistent. Ich glaube, dass man als Außenstehender nur erahnen kann, wie groß die Kluft zwischen Joe Quesada und JMS geworden war, so dass JMS mittlerweile gar nicht mehr für Marvel tätig ist und bei DC angeheuert hat. Schlimm genug, denn seine Tätigkeit als Autor bei Amazing Spider-Man, Squadron Supreme oder zuletzt bei Thor war immer bemerkenswert. Immerhin schimmert ein kleiner Silberstreif am Horizont, denn JMS hat selbst angekündigt, im Frühjahr The Twelve fertig stellen zu wollen.
Dennoch: Manchmal wünsche ich mir, dass Mephisto mir erscheint und einen Deal anbietet, damit ich die Entscheidungen von Joe Quesada bei Marvel vergesse. An manchen Tagen würde ich auch meine Seele hergeben.
Einige werden sich nun fragen, warum ich erst jetzt, nachdem JMS Spider-Man vor mehr als einem Jahr verlassen hat, seinem Wirken eine Kolumne widme. Nun, das ist leicht beantwortet. In der Zwischenzeit gab es immer wieder aktuelle Themen, denen ich Vorrang eingeräumt habe, und ich wollte auch mal abwarten, wie sich Spider-Man ohne JMS unter dem Vorzeichen Brand New Day entwickeln wird und so auch zeitlichen Abstand zum fast siebenjährigen Run von JMS gewinnen. Doch hierzu wird es bald eine eigene Kolumne geben.
| Schnelle Meinung: |