Es war Weihnachten. Im Baxter Building bereitete sich Johnny Storm darauf vor, zur Freiheitsstatue zu fliegen, um seinen Freund Spider-Man zu treffen. Dabei begegnete ihm Franklin Richards. „Grüß Spidey von mir?“ Johnny wendete sich lächelnd, aber auch ein wenig besorgt, seinem Neffen zu: „Ich werde ihn hoffentlich treffen. Schließlich habe ich jetzt schon eine ganze Weile nichts von ihm gehört. Das hat zwar nicht unbedingt, was zu bedeuten,“ „Aber Du machst Dir Sorgen“, vollendet Valeria Richards, Franklins Schwester den Satz. „Ich bin mir sicher, dass Du ihn treffen wirst.“ „Na dann, will ich Dir mal glauben. Flamme an!“ Mit diesen Worten flog Johnny Storm aus dem Baxter Building in Richtung Freiheitsstatue.
Gleichzeitig bereitete sich ein gewisser Peter Parker ebenso auf das alljährliche Weihnachtstreffen vor. „Ich kann es immer noch nicht glauben, dass sie jetzt bei uns ist“, sagte Peter und zog eine Zimmertür vorsichtig und leise ins Schloß. Mary Jane lächelte ihn sanft an:“ Das ist nur Deinem nimmermüden Einsatz zu verdanken, Tiger. Peter runzelte die Stirn. Dabei wirkte er nachdenklich. „MJ, wir hatten diesmal zum Glück auch Freunde, auf die wir uns verlassen konnten. Außerdem passt da noch einiges nicht zusammen.“ „Spielt das wirklich noch eine Rolle, Tiger? Unsere Tochter ist nun bei uns. Das ist alles, was zählt.“ „Vielleicht hast Du Recht, aber..“
“Kein Aber, Tiger und jetzt sieh zu, dass Du Johnny nicht so lange warten lässt. Es ist kalt in diesen Tagen in New York.“ Peter nickte ihr zustimmend zu, gab ihr einen Kuss, zog sich die Maske über den Kopf und schwang sich aus dem Fenster. Auch er begab sich zur Freiheitsstatue.
Dort wartete Johnny Storm bereits auf ihn, als er eintraf.
„Hey, das ist sensationell und erstaunlich. Sonst lässt Du mich immer ne ganze Weile warten und ich muss Dich sogar suchen. Heute bist Du pünktlich.“ Spider-Man zog sich die Maske vom Kopf: “Ich freu mich genauso, Dich zu sehen Streichholz.“ „Johnny lächelte verschmitzt: “Du siehst entspannt aus. Das passt so gar nicht zu Dir. Man hat auch lange nichts von Dir gehört. Gut, wir waren in Nu-World beschäftigt, so dass ich nicht immer hier war, aber das war dennoch erstaunlich wenig, was man so von Dir mitbekommen hat.“
Spider-Man setzte sich ohne Maske hin, Johnny setzte sich neben ihn. „Okay, Streichholz. Mach Dich auf ne lange Story gefasst...“
„Du weißt, dass ich herausgefunden hatte, dass unsere Tochter May noch lebte. Norman Osborn hatte das gemacht, was er immer gemacht hat. Er hat Lügen und Halbwahrheiten verbreitet und uns so alle manipuliert.
Als ich das herausgefunden hatte, habe ich mich sofort auf die Suche nach ihm begeben, aber ich konnte ihn einfach nicht finden. Also, und darauf bin ich nicht wirklich stolz, habe ich mich durch die Unterwelt geprügelt und auf nicht gerade sanfte Art und Weise einige Verbrecher verhört, aber egal, was ich mit ihnen angestellt habe oder ihnen dann meistens doch nur angedroht habe, entweder wussten sie wirklich nichts oder sie hatten vor Norman und seiner Rache noch mehr Angst als vor mir.
Dann kam plötzlich Turk zu mir. An ihn hatte ich nicht gedacht, weil ich ihn eigentlich eher mit dem Kingpin in Verbindung gebracht habe, aber er hatte tatsächlich Informationen, die bisher noch keiner hatte oder mir geben wollte. Was mich überrascht hat, war, dass er am ganzen Leib vor Angst zu zittern schien. Außerdem hat er in seiner Panik geschwitzt und seine linke Hand fast schon krampfhaft vor mir verborgen. Ich dachte erst, er wollte ne Knarre vor mir verstecken, aber mein Spinnennsinn hat nicht angeschlagen.“
Was Spider-Man nicht wusste, ja noch nicht einmal ahnte, war, dass Kaine genau wusste, wer die Informationen besaß, die Spider-Man benötigte. Kaine selbst stand hoch oben auf einem Hochhaus und beobachtete das Gespräch ganz genau. Dies war Turk durchaus bewusst, sonst hätte er wohl nie so bereitwillig gesungen.
Turk ging auf Spider-Man zu. „Hey, Parker. Ich habe gehört, dass Du Deine Tochter suchst. Vielleicht kann ich Dir helfen.“ Sofort stürzte sich Spider-Man auf Turk und packte ihn am Kragen: “Rück mit der Sprache raus oder ich prügel’ Dich windelweich!“ „Reg Dich ab. Ich sag Dir ja schon alles, was ich weiß, aber schick mir nie mehr diesen Freak auf den Hals. Weißt Du, wir Jungs von der Straße sind es gewöhnt, von Dir oder Daredevil verprügelt zu werden, aber dieser Freak...“ Spider-Man schüttelte ihn noch einmal durch: Ich habe nicht die geringste Ahnung, wovon Du schwafelst, Turk. Es wäre aber trotzdem besser für Dich, wenn Du nun mit der Sprache rausrückst.“ „Deine Tochter befindet sich auf einer Yacht, die im Mittelmeer kreuzt. Frag mich nicht, wo das ist. In Europa kenn ich mich nicht aus.“ Spider-Man ließ von Turk ab: “Ok, Turk. Irgendwas sagt mir, dass Du mir wirklich alles gesagt hast, was Du weißt, aber sollte ich herausfinden, dass..“ „Spar Dir den Atem, Netzkopf. Ich will nie mehr auf diesen abartigen Freak treffen.“
Spider-Man schwang sich ein wenig ratlos, aber dennoch um einige Informationen reicher, davon. Er kehrte nach Hause zurück, wo Mary Jane ihn bereit erwartete. Mit wenigen Worten erklärte er ihr, was er soeben erfahren hatte und suchte gleichzeitig einen Atlas hervor.
„Von Harry weiß ich, dass Norman irgendwo in der Ägäis eine Yacht unterhielt. Vielleicht ist das die Yacht, von der mir Turk erzählt hat. MJ, ich fühle, dass wir noch nie so knapp dran waren, May endlich zu finden. Mich interessieret nur, warum Turk so bereitwillig gesungen hat, nachdem ich jetzt fast ein Jahr die komplette Unterwelt aufgemischt habe.“
In einer dunklen Gasse traf Turk Kaine. „Ich bin sehr zufrieden mit Dir, kleiner Mann. Wenn Du gleich etwas kooperativer gewesen wärst, hätte ich Dir erst nicht einige Finger und dann die linke Hand brechen müssen.“
„Ich weiß nicht, was Du dem Netzkopf schuldest oder in welcher Verbindung Du zu ihm stehst...“ „Wenn Du versuchst das herauszufinden oder Spider-Man gegenüber auch nur die geringste Andeutung machst, warum Du ihm geholfen hast, mache ich Dich kalt. Und dies wird so langsam geschehen, dass Dir unser erstes Treffen wie ein gemütliches Kaffeetrinken vorkommt.“ Mit diesen Worten ließ Kaine Turk zurück und verschwand in der Dunkelheit.
Peter Parker und Mary Jane plagten jedoch ganz andere Sorgen. „Es ist zum verrückt werden, sagte Peter, Nach fast einem Jahr haben wir die erste Spur und nun haben wir kein Geld, um nach Europa zu fliegen.“ Mary Jane beruhigte ihn. „Keine Sorge, Tiger. Ich werde einen Model Job auftun und dann kannst Du unsere Tochter in Europa finden.“ „Aber wie soll das funktionieren, entgegnete Peter. Seitdem die Öffentlichkeit weiß, dass ich Spider-Man bin, bekommst Du keine Jobs mehr.“ „Mach Dir keine Vorwürfe, sagte Mary Jane, ich bin nach wie vor noch ein prominentes Model und mir sicher, dass ich auch wieder einen Job an Land ziehe. Und genau damit werde ich jetzt beginnen.“ Mary Jane zog sich eine Jacke über, gab Peter einen Kuss und ging los.
Was Peter Parker nicht wusste, ist, dass sie direkt zu Tony Stark ging. Jarvis begrüßte Mary Jane freundlich und ließ sie zu Tony Stark vor. „Tony, lass es mich so formulieren, ich bin nicht hier, um Dich wegen Geld anzubetteln, aber wir haben erstmals seit über einem Jahr eine Spur von unserer Tochter und diese Spur führt nach Europa. Wenn Peter wüsste, dass ich hier bin..“ Tony hörte ihr ruhig zu und stützte dabei sein Kinn auf seine Zeigefinger. „Hör zu, Mary Jane. Wenn ich Dir einfach so das Geld gebe, findet das Peter ohnehin heraus und diesen Ärger will ich Dir ersparen. Ein Unternehmen, an dem ich über Mittelsmänner die Mehrheit habe, präsentiert in Kürze ihr neustes Produkt. Wie wäre es, wenn Du diese Präsentation moderieren würdest?“ Mary Jane blickte ihn dankbar an:“ Tony, bei allem, was geschehen ist, bei allen fragwürdigen Wegen, die Du eingeschlagen hast, sind wir Dir dennoch zu Dank verpflichtet. Vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem auch Peter das einsieht.“ „Es wird noch lange dauern, bis mir Peter verzeiht und ich glaube eigentlich nicht, dass das je geschehen wird“, antwortete der Milliardär. Mary Jane nickte Tony Stark zu und verließ sein Büro durch einen Hinterausgang, um sich vor allzu neugierigen Papparazzi verborgen zu halten.
Dies gelang auch in Bezug auf die neugierigen Sensationsreporter, aber dennoch blieb Mary Janes Besuch bei Tony Stark nicht unbemerkt. Eine nicht erkennbare, weil im Schatten befindliche, Gestalt sah auf dem Hinterausgang herab und sah Mary Jane. „Schau mal an, wer durch Tonys Hinterausgang kommt. Was hat der Rotschopf nur bei ihm zu suchen“, fragte sich die nicht erkennbare Gestalt im Schatten eines Löschwasserbehälters auf dem Dach eines Hochhauses.
Hiervon ahnte Peter Parker natürlich nichts, der die frohe Kunde über Mary Janes Job unmittelbar von ihr erfahren hatte. „Ist schon erstaunlich, wie schnell Du einen Job aufgetrieben hast und das ohne Manager. Und dazu erhältst Du noch einen Vorschuss? Wunder über Wunder..“, staunte Peter. „Ich habe immer noch Beziehungen, Tiger. Und ab und zu funktionieren sie noch.“
Peter war zu beschäftigt, seine Sachen zu packen, um näher und intensiver über diese unglaublich erscheinende Wendung nachzudenken. „Wenn ich mich beeile, schaffe ich noch den Flug nach Frankfurt in Deutschland. Von dort habe ich dann Anschluss nach Athen und schlage mich dann zur Küste nach Salamis durch.“
Mary Jane biss sich auf die Lippe: „Soll ich nicht besser doch mitkommen, Tiger? Ich hasse den Gedanken, Dich allein nach Europa fliegen zu lassen.“ „Darüber haben wir schon geredet, MJ. Ich weiß nicht, welche Gefahren auf mich warten und ich kann unmöglich auf uns beide aufpassen“, entgegnete Peter. Die beiden umarmten sich innig und küssten sich zum Abschied. Als Peter zum Flughafen aufbrach, hatte Mary Jane Tränen in den Augen, während Peter fest entschlossen aussah. „Ich schwöre Dir, dass ich unsere Tochter zurückbringen werde.“ Mary Jane schluchzte und fiel Peter noch einmal um den Hals. Dann verließ er ihre Wohnung.
Dieser Aufbruch blieb nicht unbemerkt. Auf dem Dach eines Hauses kauerte Kaine. Erstmals schien er so etwas wie Emotionen zu zeigen:“ Ich kenne Dein Ziel, Parker. Und ich werde dort sein, bevor Du eintriffst.“
Am anderen Ende New Yorks öffnete Turk, dessen Hand nun verbunden war, eine Tür. Er ging zu einer Sekretärin: „Er erwartet mich.“ „Die Sekretärin nickte zustimmend: „Ja, sie werden erwartet. Ich habe Instruktionen, sie herein zulassen.“ Neben dem Schreibtisch der Sekretärin öffnete sich eine riesige Flügeltür. Turk ging durch die Tür. Hinter einem gewaltigen Eichenschreibtisch saß Norman Osborn. “Ich hasse Unpünktlichkeit.” Turk fühlte sich sichtlich unbehaglich und nestelte an seinem Hemdkragen. Norman nahm dies mit einer gewissen Genugtuung und einem spöttischen Grinsen zur Kenntnis. Er fuhr fort: “Hast Du Kaine das ausgerichtet, was wir besprochen hatten?“ Turk wirkte immer noch eingeschüchtert und verunsichert: “Ja, Mister Osborn. Ich habe mir sogar das Handgelenk und einige Finger brechen lassen, damit diesem Monster nicht auffiel, dass er das erfahren sollte, was ich ihm gesagt habe, bevor er mich mit dieser Information zu Spider-Man schickte.“ Norman Osborn stand auf: „Und wieder einmal habe ich Kaine und auch Spider-Man manipuliert. Am Ende werde ich triumphieren. Parker werde ich wie ein lästiges Insekt zertreten und auch um seine Frau wird sich jemand kümmern. Dann ist diese Parker Brut endlich ausgelöscht und ich, Norman Osborn, werde triumphieren. HaHaHaHa!“
Peters Flug nach Athen verlief ohne Zwischenfälle, während Norman Osborn in einer Privatmaschine in Salamis landete.
Dort befand sich auch bereits Kaine als blinder Passagier eines weiteren Fluges und begab sich direkt in die beschauliche Hafenstadt, um herauszufinden, wo Osborns Schiff ankerte.
Für Peter Parker, der natürlich des Griechischen nicht mächtig war, gestaltete sich dieser Teil des Trips als schwieriger als der Flug nach Athen. Doch es gelang ihm schließlich dank einiger freundlicher Einheimischer, per Anhalter auch in Salamis anzukommen.
Peter Parkers Ankunft in dem kleinen Hafenstädtchen blieb nicht unbemerkt. Eine dunkle Gestalt beobachtete dies, um Norman Osborn direkt Bericht zu erstatten. Osborn wirkte nicht unzufrieden, als er von Peters Ankunft erfuhr und ließ umgehend die Wachen vor und auf seiner Yacht verstärken.
Peter Parker wurde natürlich von seinem Spinnensinn gewarnt, als er bei seinem Eintreffen beobachtet wurde. Instinktiv blickte er sich um, aber geblendet von der gleißenden Sonne konnte er den Mann in dem schattigen Gässchen nicht sehen. Dennoch blieb er wachsam. „Es tut gut, sich in einem Land aufzuhalten, in dem man nicht als Spider-Man bekannt ist. Es wäre auch meinem Vorhaben abträglich, wenn sich gleich eine Menschenmeute um mich scharen würde. Ich bin aber realistisch und sicher, dass meine Ankunft bereits entdeckt wurde. Mein Spinnensinn hat nicht umsonst geklingelt.“
Auf der anderen Seite der Welt in New York war es Nacht und eine Gestalt näherte sich der Wohnung der Parkers. Mit geübten Fingern öffnete sie ein Fenster und drang in die Wohnung ein. Mary Jane saß vor dem Fernseher und wurde von dem Eindringling vollkommen überrascht. „Na Rotschopf, wie fühlt es sich an, wenn man Starks Anwesen durch die Hintertür verlässt? Hattest Du wenigstens Deinen Spaß?“ Mary Jane wirbelte erschrocken herum und entdeckte Black Cat. „Felicia, Du hast mich zu Tode erschrocken!? Hinterausgang bei Tony Stark? Ich weiß nicht, was Du meinst.“ Black Cat lächelte spöttisch: „MJ, versuche es gar nicht erst abzustreiten. Ich habe Dich heute Vormittag beobachtet, wie Du sein Anwesen verlassen hast. Ich hätte nie geglaubt, dass Du einmal Peter so schamlos betrügst und das auch noch mit dem Mann, der Euch so viel Mist eingebrockt hat.“
Mary Jane blickte Black Cat fest an: „Also gut, Felicia. Du sollst alles erfahren“, antwortete Mary Jane. Mary Jane berichtete Black Cat von den letzten Ereignissen. „Ok, die Story klingt so abwegig, dass ich sie Dir glaube. Aber eine Gegenfrage muss gestattet sein: „Glaubt Ihr wirklich, dass Norman Osborn nicht im Hintergrund die Drähte zieht? Ich meine, Peter hat gegen Norman all die Jahre gekämpft und musste sich immer wieder seinen Plänen und Intrigen stellen. Und dann fallt Ihr darauf ein, wenn Peter endlich ein paar Informationen erhält? Ich fass’ es nicht.“ Mary Jane blickte Black Cat zweifelnd an: „Ich weiß, dass Osborn ein hinterhältiger Bastard ist, aber was soll er auf diese Art und Weise bezwecken?“ Die Antwort auf diese Frage wird Black Cat Mary Jane wohl ewig schuldig bleiben, denn im nächsten Moment klirrte eine Fensterscheibe. „MJ, schnell, versteck Dich. Ich kümmer’ mich schon darum.“ Mary Jane schlich sich in ein Nachbarzimmer, während Black Cat das Licht löschte. Als die beiden Eindringlinge das Wohnzimmer betraten, rechneten sie mit einer wehrlosen Frau und nicht mit der Black Cat. Daher konnten sie von der Black Cat rasch außer Gefecht gesetzt und gefesselt werden. „Hey, MJ, kannst rauskommen. Ich hab’ die Lage im Griff. Osborn hat bestenfalls die dritte Liga hierher geschickt.“ Die Tür zum Nachbarzimmer öffnete sich und Mary Jane betrat das Wohnzimmer. Allerdings wurde sie von einem Mann, der Mary Jane im Polizeigriff und ihr von hinten ein Messer an die Kehle hielt, bedroht. Der Mann sah seine beiden Helfer am Boden liegen und natürlich auch Black Cat. „Am besten befreien sie die beiden mal von ihren Fesseln und wir beruhigen uns alle. Dann schauen wir mal weiter.“ Black Cat ließ den Mann nicht aus den Augen und entgegnete: „Sonst?“ Der Mann antwortete spöttisch: „Sonst wird die Kleine hier das Morgenrot nicht mehr erleben.“ Mary Jane zitterte am ganzen Leib, während Black Cat nach einem Ausweg aus ihrer misslichen Lage suchte. „Als würden sie uns nicht trotzdem umbringen“, entgegnete Black Cat. Scheinbar ratlos ließ sie sich auf die Anweisungen des Killers ein und kniete neben den Ganoven, die sie gerade nieder gestreckt hatte, nieder. In einem Stiefelschacht hatte sie ein Messer entdeckt. Sie drehte Mary Janes Peiniger den Rücken zu und als er sie auffordern wollte, sich umzudrehen, wirbelte Black Cat herum, warf das Messer über Mary Janes Schulter und traf den größeren Mann in dessen Schulter. Aufgrund des plötzlichen Schmerzes ließ er das Messer, mit dem er Mary Jane bedrohte, fallen. Bevor er auch nur ansatzweise reagieren konnte, war die Black Cat über ihn und setzte auch ihn mit einem gezielten Schlag außer Gefecht. Sofort sah sich die Black Cat nach Mary Jane um, die leichenblass war. Sie sah die Black Cat an: „Ich glaube, das ist der Zeitpunkt, an dem ich mich bedanken sollte. Aber versuch die Nummer nie wieder.“ Black Cat lächelte: „Ach, gelernt ist gelernt. Und außerdem glaube ich Dir Deine Story nun endgültig. Ich glaube aber nicht, dass Du hier sicher bist. Wir übergeben diese Spießgesellen den Cops und bringen Dich in Sicherheit.“ Mary Jane nickte zustimmend.
Diese Nachrichten hatten Norman Osborn noch nicht erreicht, als er seine Männer um sich versammelte. Er trug Maske und Kostüm des Green Goblins, als er sie auf die bevorstehende Auseinandersetzung mit Spider-Man einschwor: „Hört zu! Ihr seid nun die ersten Anhänger des Kobold-Ordens und als Jünger dieses Ordens verlange ich nicht weniger, als dass Ihr mich und meine Ideale mit dem höchstmöglichen Einsatz unterstützt und schließlich auch meine Ziele realisiert. In Kürze wird hier ein Mann in einem Spinnenkostüm erscheinen. Er wird Spider-Man genannt und will uns und unsere Ideale vernichten. Seid wachsam und wenn Ihr das widerliche Insekt seht, schießt mit diesen Waffen auf ihn. Es handelt sich scheinbar um normale Maschinenpistolen, aber deren Läufe sind so gefertigt, dass sie weit streuen. Spider-Mans Wendigkeit und Schnelligkeit wird ihm diesmal nicht helfen. Schwört nun, dass Ihr als Anhänger des Kobold-Ordens bis zum letzten Atemzug kämpfen werdet. Ruhm und Ehre werden Euer sein und ich werde Euch reich entlohnen“. „Wir schwören, dem Orden des Green Goblin treu bis in den Tod und mit unserem Blut zu dienen, ertönte es daraufhin aus vielen Kehlen. Der Green Goblin badete sichtlich triumphierend im Schwur seines Ordens.
Peter Parker war in einer kleinen Taverne nicht unweit des Hafens untergekommen. Bevor er zu dem Teil des Hafens aufbrach, in dem die Yachten ankerten, überprüfte er noch einmal seine Ausrüstung und steckte auch noch einige Ersatzpatronen von seinem Netz in seinen Gürtel. Mit den Worten: “Okay Kleine May, Zeit, dass Du nach Hause kommst,“ glitt Spider-Man aus dem Fenster seines Zimmers.
Der Hafen von Salamis war nicht so prachtvoll ausgeleuchtet, wie Spider-Man das vom Times Square denkt, aber sein Spinnensinn brachte ihn zunächst sicher in die Nähe der Osborn Yacht. Sogar Spider-Man, der von Kopf bis Fuß angespannt war und mit schlimmsten Widerstand rechnete, musste fast ein wenig lächeln, als er den Namen der Yacht „Harry“ erkennen konnte. Dennoch glaubte Spider-Man, dass er die falsche Yacht ausgemacht hatte, weil sie unbewacht war. Spider-Man war dies Hinweis genug, die letzten Schritte bis zur Yacht noch vorsichtiger zu machen. Und dann konnte er im Schatten der spärlichen Hafenbeleuchtung Dutzende von Männern erkennen, die am Boden lagen – teils tot, teils so verletzt, dass sie wahrscheinlich nie mehr eine Waffe halten konnten. Ihre Waffen, die Spider-Man, der wahrlich kein Waffenexperte war, sofort als „High Tech“ einstufte, waren ebenfalls unbrauchbar gemacht worden. Spider-Man kratzte sich verwundert am Hinterkopf:“ Wer hat mir hier geholfen? Ich weiß nicht, ob ich diese Feuerkraft ausgeschaltet und überlebt hätte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Bruce hier aufhält. Und selbst wenn, der könnte nie so subtil vorgehen.“
Aus der Kajüte eines einsam ankernden Fischerbootes beobachtete Kaine fast schon ein wenig schmunzelnd den ratlosen Spider-Man. „Ja, Spider-Man, ich habe Dir so viel Unrecht angetan, dass es Zeit wird, zurückzuzahlen. Das war nur die erste Rate.“
Als sich Spider-Man auf die Osborn Yacht schwang und landete, aktivierte er einen lautlosen Alarm im Versteck des Green Goblins, der sich natürlich wunderte, dass er zuvor keine Schüsse gehört hatte:“ Parker, das kannst nicht mal Du geschafft haben, aber wer unterstützt Dich hier? Zeit für den Green Goblin, selbst in Aktion zu treten. Ich habe noch einen zweiten Gleiter vorbereitet, der auf Deine DNA ausgerichtet ist. Er wird Dich orten und die mit einem tödlichen Gift versehenen Klingen des Gleiters werden Dich endgültig zur Strecke bringen. HaHaHaHa!“
Nachdem das Lachen des Green Goblins ertönte, klingelte auch Spider-Mans Spinnensinn so laut wie selten zuvor. Schon flog der Green Goblin auf seinem Gleiter heran und warf mit seinen messerscharfen Klingen, die aus kürbisförmigen Waffen hervortraten nach Spider-Man. Fast jeder dieser Waffen konnte Spider-Man ausweichen, aber eine erwischte ihn doch und brachte ihm eine schmerzhafte Fleischwunde bei. „Ich weiß nicht, was jetzt mehr verletzt ist, ich, oder mein Stolz, weil ich wieder nähen muss“, dachte Spider-Man und versuchte zunächst vergeblich den Green Goblin auf seinem Gleiter mit seinem Netz zu stoppen. „Verdammt, hier ist er mir überlegen. Ich habe kaum Platz zum Manövrieren. Entweder bringe ich ihn dazu zu landen oder ich gebe das Schiff wieder frei“, dachte Spider-Man, als der Green Goblin nun begann, mit Kürbisbomben nach ihm zu werfen. Hierüber wunderte sich Spider-Man und wurde gleichzeitig wütend:“ Hey. Norman, ist mir egal, was Du mit Deinem Paddelboot anstellst, aber meine Tochter ist an Bord. Das ist eine Sache, die uns beide betrifft, lass May aus dem Spiel.“ „Du bist so armselig, Spider-Man. Ich werde Dich hier und heute endgültig zerquetschen, “ antwortete der Green Goblin. Als eine der Kürbisbomben Spider-Man ziemlich nah zu kommen drohte, sprang er rasch von Bord.
In der Kajüte des Fischerbootes setzt sich Kaine in Bewegung. „Danke, Osborn, dass Du mir verraten hast, wo sich Dein Versteck befindet. Zeit für Rate Nummer 2, Parker.“ Mit diesen Worten verließ Kaine sein Versteck und begab sich zu einer scheinbar brach liegenden Lagerhalle.
Als der Green Goblin Spider-Man in der Dunkelheit nicht finden konnte, landete er. Spider-Man hatte sich hinter einer Reihe von Säcken versteckt, die unangenehm nach Fisch rochen. Als ihm der Green Goblin endlich nahe genug gekommen war, schnappte sich Spider-Man einen der Säcke, der entsorgende Fischabfälle enthielt und traf den Green Goblin damit am Kopf:“ Hey Norman, alter Gourmés, wie wäre es heute mal mit Fisch?“ Da sich die Fischabfälle über den Green Goblin ergossen, verlor er kurz die Orientierung, was Spider-Man nutze, ihn mit einem zweiten Sack zu und ihn anschließend hart mit den Fäusten zu treffen.
Im anschließenden Schlagabtausch konnte Spider-Man sein Tempo und seine Agilität ausspielen. Auch Spider-Man wurde vom Green Goblin getroffen, aber er hatte immer eine Faust mehr im Ziel als der grün-lila gekleidete Schurke, der nun unbemerkt seinen Trumpf, den auf Spider-Mans DNA programmierten Gleiter aktivierte.
Kaine war nun in die Halle eingedrungen. Seine Augen gewöhnten sich schnell an das Dunkle, so dass die aufflackernden Kontrollleuchten des Gleiters leicht zu erkennen waren. „Welche Teufelei hast Du diesmal ausgeheckt, Osborn“, fragte sich Kaine. Der Gleiter startete und näherte sich zunächst Kaine in einer direkten Fluglinie. Doch kurz vor Kaine änderte der Gleiter plötzlich seine Flugrichtung. Dies nutze Kaine, um den Gleiter im Sprung abzufangen und zu zerstören. Kaine untersuchte den Gleiter kurz und erkannte rasch Sinn und Zweck dieser tödlichen Waffe. „Hmm, schade, dass ich Osborns Fratze nicht sehen kann, wenn das Eintreffen des Gleiters ausbleibt.“ Als Kaine in der hinteren Ecke der Lagerhalle diffuses Licht sah, eilte er hin und riss die Tür aus den Angeln, während der Kampf zwischen dem Green Goblin und Spider-Man mit aller Verbissenheit weiter geführt wurde.
In dem Nebenraum erschrak Alison Morgrain, als die Tür aus ihren Angeln flog. Sie stand vor einer Babywiege, in der May wegen des Lärms nun nicht mehr schlummerte. „Okay Hexe, lauf um Dein Leben, blick Dich nicht um und versuch nie mehr, den Parkers etwas anzutun, wenn Du leben willst.“
Alison Morgrain eilte an Kaine vorbei und tat, wie ihr geheißen war. Sie fühlte sich zwar gegenüber ihrem Auftraggeber, Norman Osborn, verpflichtet, aber ihre Loyalität hatte Grenzen und die waren soeben mehr als nur erreicht.
Vorsichtig, beinahe liebevoll, nahm Kaine die kleine May aus ihrer Wiege und verließ die Lagerhalle.
Im Hafen tobte noch immer der Kampf zwischen dem Protagonisten und dem Antagonisten, den Spider-Man endlich mit einem Tritt beenden konnte. Green Goblin war nun endgültig verdutzt und ratlos, weil seine letzte Verteidigungslinie um den tödlichen Gleiter nicht griff. Nach dem Tritt Spider-Mans verlor er das Gleichgewicht, hob ab und flog gegen einen Metallposten einer der wenigen Laternen im Hafen und sackte bewusstlos zusammen. „Na, Norman, wenn das nicht Ironie des Schicksals ist. Eine Laterne bläst Dir das Licht aus.“ Spider-Man vergewisserte sich, dass Green Goblin keine ernsthaften Schäden davongetragen hatte und wurde selbst im nächsten Moment hinterrücks niedergeschlagen.
Kaine trat aus dem Dunkel hervor:“ Sorry, Spider-Man, aber es ist wohl besser, dass ich verborgen bleibe. Ich müsste Dir sonst zu viele Fragen beantworten, worauf ich noch keine Lust habe. Aber mein Schlag wird Dich nur für wenige Minuten außer Gefecht setzen. Und für Osborn lasse ich mir eine Sonderbehandlung einfallen.“
Nach wenigen Minuten erwachte Spider-Man:“ Was war das, dachte Spider-Man und fühlte eine kleine Beule am Hinterkopf. Dann sah er sich um und bemerkte, dass May warm eingepackt in seiner Armbeuge lag. „Bist Du das, May? Wer hat Dich hierher gebracht, konnte sich Spider-Man keinen Reim aus der Situation machen. Erst jetzt bemerkte er, dass Norman fortgebracht wurde. „Hmm, ich kann mir nicht vorstellen, dass Norman vor mir zu sich gekommen ist, mir May in den Arm gelegt hat und dann fröhlich abgedüst ist. Irgendwas stimmt hier nicht.“ Hastig und wegen der Sorge um seine Tochter auch nicht sonderlich sorgfältig untersuchte Spider-Man die Umgebung, aber er konnte keine Spuren ausfindig machen und beschloss, dass seine Tochter Priorität hatte und kehrte zu seiner Unterkunft zurück.
„Spidey, Du erzählst mir Jahr für Jahr eine abgefahrene Story, sagte Johnny Storm auf der Fackel der Freiheitsstatue, und ich weiß, wenn Dir einer eine überzieht, hast Du mich immer zuerst im Verdacht, aber ich war es nicht. Das komplette Team hat sich in Nu-World aufgehalten. Aber ich freue mich für Euch, dass Ihr nun eine kleine komplette Familie seid.
Da musste Spider-Man ein wenig schmunzeln:“ Nein, Du kannst meinen Spinnensinn nicht austricksen und selbst, wenn Reed ein Gerät hierfür entwickelt hätte, würde er es Dir nicht zum Spielen geben, “antwortete Spider-Man und übergab Johnny Storm sein Geschenk. Es handelte sich um eine Spider-Man Actionfigur:“ Wenn Du keine sinnvolle Verwendung findest, kannst Du sie ja an Franklin abtreten. Er findet mich sowieso cooler als Dich.“ Johnny Storm grinste schadenfroh zurück und gab Spider-Man sein Geschenk, eine Action-Figur von Kaine.
Spider-Mans Begeisterung hielt sich in Grenzen. Erst als Johnny Storm den Sprachchip der Figur aktivierte und er die Geheimcodes der Sicherungsanlage des Baxter Building preisgab, erkannte er den Sinn des Geschenks. „So hast Du mal ne kleine Chance, dass Dich nicht eine der Sicherungsmaßnahmen Reeds erwischt. Jetzt musst Du nur noch auf den ollen Ben aufpassen.“
Die beiden Freunde wünschten sich noch ein Frohes Fest, richteten Grüße an die Familien aus und begaben sich nach Hause.
In einer engen dunklen Umgebung erwachte der Green Goblin. Durch Tasten bemerkte er, dass er in einem engen Raum befand und wunderte sich gleichzeitig über ein sanftes Schaukeln. Der Green Goblin konnte mit einem Schlag das Dach der großen Holzkiste zersplittern lassen und musste feststellen, dass sich um ihn herum nur Wasser befand:“ Spider-Man, wenn Du glaubst, dass Du mich nun endgültig besiegt hast, liegst Du absolut falsch. Heute hat zwar der Green Goblin seine Ziele nicht realisieren können, aber ich werde es ausnutzen, dass Du Dich nun in Sicherheit wiegst. HaHaHaHaHa!“ Das lange laute Wachen wurde von Möwen beantwortet, aber dass hörte der Green Goblin noch nicht.
ANNEX
Auch in diesem Jahr möchte ich allen, die sich im Marvel Universum nicht so gut auskennen, ein paar Anhaltspunkte mitgeben:
Johnny Storm und Spider-Man treffen sich tatsächlich alljährlich auf der Freiheitsstatue und tauschen Geschenke aus. Wer es mir nicht glaubt, sollte die die beiden letztjährigen Stories lesen ;-).
Folgt man als Leser dem M2 Universum, gelangt ja Klein-May irgendwie wieder zu den Parkers. Diese Story würde bisher noch nicht ausführlich erzählt. Also habe ich mich daran versucht. Dies bedeutet zwangsweise, dass ich im nächsten Jahr den nächsten Eckpfeiler des M2 Universums auflösen werde und macht Euch heute schon auf Einiges gefasst!
Vielleicht noch was zu zwei Charakteren:
Kaine ist ein degenerierter Klon Spider-Mans und entstammt als solcher natürlich der Klon-Saga. Er ist mächtig sauer auf den Green Goblin, weil es ihm anfangs gelang, ihn gegen Spider-Man auszuspielen und ihn glauben ließ, dass Ben Reilly der wirkliche Peter Parker war. Normalerweise hinterlässt er bei seinen Opfern das Zeichen des Kaine, einer Narbe im Gesicht, die er diesmal nicht ansetzte, um seine Aktionen zu tarnen. Kaines Moleküle sind, wie bei den anderen ersten Klonen, nicht zerfallen, sondern haben sich komprimiert. Daher ist er stärker und schneller als Spider-Man.
Alison Morgrain handelte im Auftrag Norman Osborns und gab der hochschwangeren Mary Jane unbemerkt einen Trank, der ihre Wehen auslöste. Während der Klon-Saga und im Vorfeld der Versammlung der Fünf sah man sie öfter mit Norman ein Bündel austauschen und ich erinnere mich sogar an einen Laufstall und die hier beschriebene Babywiege. Ich bin mir noch heute sicher und Rainer mag mir zustimmen, dass hiermit nur Klein-May gemeint sein konnte.
Ralph Macchio machte aus dem Bündel Medizin für Tante May, die aufgrund einer breit angelegten Leserbriefaktion der Fans zurückgebracht wurde. Leider wurde so die wunderschöne Ausgabe Amazing Spider-Man # 400 ad absurdum geführt. Die von Macchio erwähnten Leserbriefe hat bis heute wohl einzig und allein er gesehen.
Der Rest der Story sollte sich aus den letztjährigen Stories ergeben. Wer dennoch noch Fragen hat, mag sie gerne an dieser Stelle stellen.
Dieses Jahr hat Steffen_L für ein wunderschönes und ausdruckstarkes Cover gesorgt – und dies ohne das bekannt markante Kinn ;-) Vielen Dank dafür!! Genau solch ein Cover hat die Story gebraucht und ich habe ihm zum Zeitpunkt des Entstehens des Covers die Story wirklich nur sehr, sehr grob geschildert.
Die Redaktion der Panini-Fanpage wünscht Euch, Euren Liebsten, Lieben und Familien ein frohes, friedvolles und besinnliches Weihnachtsfest!