Hinter dieser hoch trabenden Überschrift verbergen sich nichts Anderes als Comic-Verfilmungen.
Zunächst sollte man als Kolumnist an dieser Stelle mit dem Mythos aufräumen, dass Comic-Verfilmungen eine Errungenschaft der Gegenwart oder der letzten paar Jahre sind. Nein, Comic-Verfilmungen hat es schon immer gegeben – auf die ein oder andere Art und Weise.
Natürlich handelt es sich hierbei um eine Straße mit Gegenverkehr. So hat es auch so manche Leinwandfigur ins Comic-Heftchen geschafft. Doch hübsch der Reihe nach…
Tarzan ist beispielsweise ein Charakter, der es vom Roman ins Comic und auf die Leinwand geschafft hat. Und zugegeben, die ollen Johnny Weismüller Filme haben auch heute noch ihren Charme.
Hoch interessant ist auch ein Charakter der jüngeren Vergangenheit. Buffy startete auf der Leinwand, war über 7 Jahre eine erfolgreiche TV-Serie und wurde dann bei Dark Horse als 8. Staffel im Comic fortgesetzt, als 20th Century Fox eine Fortsetzung der TV-Serie ablehnte. Parallel dazu gibt es eine Cartoon-Serie, die in Kürze auch wiederum von fünf One Shot Comics begleitet werden wird.
Mehr und mehr Beachtung finden auch die Comics zu der vielfach prämierten TV-Action Serie 24.
Und wer kennt nicht Indiana Jones? Der wohl berühmteste Mann mit Hut hat es auch längst von der Leinwand in die Welt der bunten Bilderheftchen geschafft. Hiervon wird es übrigens in Kürze einen Omnibus Band bei Dark Horse geben.
Es lassen sich hierzu noch jede Menge Beispiele finden. Doch ich möchte noch ein anderes Gebiet dieser weiten Thematik beleuchten.
Nicht unüblich sind auch Zelluloid Produkte geworden, deren Idee in Comics weitergesponnen oder auch ergänzt wurde. Meist geschieht dies durch Online Comics. Die bekanntesten Beispiele hierfür sind Matrix oder auch die sehr erfolgreiche TV-Serie Heroes.
Beim Stichwort Heroes gelangen wir zu den Superhelden Verfilmungen, die mittlerweile fast schon inflationär auf die Leinwand geraten. Auch hier gibt es selbstverständlich gute und schlechte Beispiele oder auch Filme, die an der Kinokasse unter Wert liefen. Nicht unerwähnt sollten auch Verfilmungen bleiben, die aufgrund ihres kommerziellen Erfolgs überschätzt werden. So bricht Batman: The Dark Knight alle Zuschauerrekorde. Doch unterhält dieser Streifen, der sich inhaltlich doch sehr um sich selbst dreht, wirklich?
Doch wie unterschiedlich die Verfilmungen auch sein mögen, welche Story auch immer den Verfilmungen zugrunde legt und unabhängig davon, ob es sich um einen Helden oder ein Team handelt, eines haben sie alle gemeinsam. Eine 100%ige werkgetreue Verfilmung gibt es zumindest bisher nicht und ich wage die ketzerische These, dass es diese auch nie geben wird, wobei Sin City wohl sehr nahe an der Vorlage orientiert ist. Grundsätzlich gilt, dass der Comic Stoff inhaltlich an die Bedürfnisse des Kinogängers angepasst wird. Dies geschieht nicht immer zur Freude des Comic Lesers, der im Kinosessel schon mal aus sich herausgehen kann, wenn Peter Parker oder auch Reed Richards eine Tanzeinlage hinlegen.
Nun, in regelmäßigen Abständen werde ich an dieser Stelle eine Verfilmung nach der anderen unter die Lupe nehmen, um hohe Lieder auf sie zu singen oder genüsslich zu zerreißen.
Betrachten wir uns heute mal Spider-Man. Nein, keine Angst, ich meine nicht die grottigen TV 3-Teiler aus den späten 70er bzw. frühen 80er Jahren. Nein, ich ziele natürlich auf die Sam Raimi Verfilmung aus dem Jahr 2002 ab, die Tobey Maguire und Kirsten Dunst sowie Willem Dafoe in den Hauptrollen zeigte.
Wie ich schon erwähnt habe, gibt es wohl keine (comic-)werksgetreue Verfilmung. Spider-Man ist nah dran, aber auch hier gibt es natürlich einige Anpassungen an die Leinwand.
Eine bedeutende Veränderung der Comic Vorlage aus dem legendären Amazing Fantasy # 15 ist, dass Onkel Ben nicht zuhause, sondern in der Stadt erschossen wurde. Riami hat sich bei der zubeißenden Spinne mehr an die Vorlage aus dem ultimativen Universum gehalten. So sind die Spinnen genmanipuliert und nicht radioaktiv verseucht wie im 616 Universum.
Der wohl schwerst wiegende Unterschied dürften die organischen Netzdüsen sein, die Riami für die Leinwand erfunden hat. Er hielt dies für realistischer als einen Jungen, der einen Kleber erfindet, den selbst die begabtesten Wissenschaftler bisher nicht entwickeln konnten. Ärgerlich wurde es für viele Comic Leser, als diese organischen Netzdüsen dann auch Einzug in die Comics fanden. Wenn es also etwas Gutes an den Entwicklungen im Comic im Zuge des Brand New Days gibt, dann, dass auch dies wieder zurückgedreht wurde. Spider-Man verfügt im Comic wieder über seine Web-Shooter und braut sein Netz heimlich im Keller oder in seinem Zimmer. Und das ist auch gut so! Damit will ich gar nicht bestreiten, dass dies auf der Leinwand funktioniert. Allein der Gag in der Kantine, in der Peter Parker Flash Thompson ein Tablett „um die Ohren haut“, ist diese Veränderung wert.
Nach wie vor als störend empfinde ich das Kostüm des Green Goblins. Acheson hat sich nach eigenen Angaben von Reptilienschuppen, japanischen Kunstdrucken, Comics und Raumanzügen beeinflussen lassen. Leider ging hierbei das Koboldhafte, das den Green Goblin in den Comics ausgemacht hat, verloren.
Doch es gibt natürlich auch Positives, das ich erwähnen möchte. Heimlicher Star des Films ist J.K. Simmons, der J. Jonah Jameson in jeder Beziehung perfekt auf die Leinwand zaubert. Gerade die Sequenzen mit ihm zeigen, dass sich der Film nicht durchgehend ernst nimmt. Und dies tut dem Film unwahrscheinlich gut!
Auch Rosemary Harris als Tante May gibt ein hervorragendes Bild ab.
Ein wahrer Glücksgriff waren Tobey Maguire und Kirsten Dunst. Tobey Maguire hat zumindest beim ersten Teil aufgrund der körperlichen Strapazen eine Art Hass-Liebe zu seiner Rolle aufgebaut, die man ihm als Kinobesucher aber auf der Leinwand selbst nicht anmerkt. Tobey ist Peter Parker bzw. Spider-Man.
Kirsten Dunst legt ihre Rolle etwas differenzierter als die Mary Jane im Comic an. Auch wenn dies im Comic nicht funktioniert hätte, weil Mary Jane dort bis zu einem gewissen Wendepunkt die Rolle des Party-Girls einnahm, bringt dies die „Leinwand Mary Jane“ deutlich nach vorn. Interessant ist daran, dass beide Darstellungen in ihren Unterschieden in dem jeweils anderen Medium definitiv nicht funktioniert hätten.
Es bleibt also festzuhalten, dass es sich bei Spider-Man um eine relativ werksgetreue Umsetzung handelt, die ich sowohl Cineasten, als auch Comic Lesern ans Herz legen kann.
Abschließend möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass die Superhelden Verfilmungen natürlich auch erst durch die moderne Tricktechnik in der heutigen Qualität gedreht werden können. Doch hat Hollywood nicht plötzlich die Superhelden für sich entdeckt, wie es sogar in dem einen oder anderen Fachmagazin gerne dargestellt wird. Als Marvel zwischen 1995 und 1997 insolvent war, sind Universal Studios bei Marvel eingestiegen. So handelt es sich zumindest bei den heutigen Marvel Verfilmungen um einen Return on Invest.
Ich bin überzeugt, dass noch viele Comic Verfilmungen auf uns zukommen werden. Und wie so oft in einem langen Leben wird es gute und schlechte Beispiele geben.
Nächster Monat: Und nun definitiv. Vergleich der Klon Sagen im 616 und ultimativen Universum (hier auf der PaniniFanpage)